Am Anfang ist es nur ein kleines Loch im Sandboden. So klein, dass ich es nicht beachtet hätte, einfach drüber hinweg gelaufen wäre. Ein bedeutungsloses Loch, bis einer der Jungen im Kinderdorf dem Loch eine Bedeutung schenkt: “Woow! Spider!”, ruft er und sein Strahlen verrät welche Begeisterung das Erdloch ausgelöst hat. Er nimmt sich meinen Spaten und fängt an zu graben. Zehn Zentimeter. Dann sucht er mit seinem Zeigefinger, wo der kleine Tunnel hinter dem Loch weiterführt, wo die Erde auf Druck nachgibt. Er gräbt wieder, immer tiefer und tiefer. Dann legt er grinsend den Spaten zur Seite und kniet sich vor das Loch.

Ein paar Sekunden später strampelt eine kleine schwarze Vogelspinne zwischen seinen Fingern. Sie ist echt, nicht aus Plastik oder Stoff – das muss ich mir kurz klar machen, als ich das Tier zum ersten Mal sehe. Eine echte Vogelspinne räkelt sich dort zwischen den Fingern des Jungen. Gefährlich? Ekelig? Ich lasse mich von ihm mitreißen und bin erst einmal nur – begeistert!

Voller Stolz läuft der Junge zu den Wohnhäusern und zeigt seine haarige Beute herum. Die anderen Kinder lachen beim Anblick des Tieres, sie klopfen dem Jungen auf die Schulter. Manche flehen ihn an, die Spinne auch einmal halten zu dürfen, aber der Junge behält das Tier für sich. Erst setzt er sie auf einem Tisch ab und lässt sie ein paar Zentimeter krabbeln, dann zieht er sie an einem Bein in die Luft und setzt sie sich auf sein Hemd oder steckt sie in die Hosentasche. Keines der anderen Kinder schaut irritiert – sie lachen und haben mächtig Spaß.

Für fünf Minuten habe ich den Jungen nicht im Blick. Danach ist das Tier verschwunden – wie vom Erdboden verschluckt. Dreimal muss ich nachfragen, bis ich verstehe: Er habe die Spinne gegessen: “Lecker!”

Die Bohnen beeindrucken am meisten: Pflanzt man die Samen in die Erde, dauert es nur zwei Tage, bis sich die Sprossen aus der Erde schieben. Wartet man noch einen weiteren Tag, tragen sie ber eits zwei Blätter. Jeden Morgen nach dem Aufstehen gehe ich in den Garten vor unserem Wohnhaus und gieße die Beete. Inzwischen habe ich dort Wasserspinat, Tomaten, Chinakohl, Gurken, Bohnen, Knoblauch und Salat angepflanzt, wobei letzterer nicht wächst. Drei Kohlköpfe kann ich schon bald ernten, die Tomaten wachsen jeden Tag ein kleines Stück und die Gurken bilden bereits erste Blätter aus. Keine Pflanze wächst jedoch so schnell wie die besagten grünen Bohnen, die nach eineinhalb Wochen schon fast einen halben Meter hoch sind.

Heute nutze ich den freien Nachmittag und baue den Bohnen ein Rankgerüst aus Ästen, die ich auf der Straße gesammelt habe. Lange wird es sicher nicht mehr dauern, bis sie an den Ästen nach oben wachsen. Inzwischen ist der Garten zu einem wichtigen Ausgleich nach der Arbeit geworden. Den Pflanzen dabei zuzusehen, wie sie wachsen und gedeihen, macht Tag für Tag große Freude.

Auch im Kinderdorf habe ich vor ein paar Tagen einige Bohnen vor dem Wohnhaus eingepflanzt. Heute Morgen, als ich den Kindern das Beet zeige, staunen die Jungen und Mädchen nicht schlecht: Aus der Erde schauen Dutzende kleine Sprösslinge.

 

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