Hausgekko

Wenn die Sonne untergeht und unser Haus in der Dunkelheit verschwindet, singt der Gekko, der im Dach unseres Hauses wohnt. Es ist ein lauter Gesang, unüberhörbar und wie von einem anderen Stern: Etwa wie ein Mensch, der versucht einen Esel nachzumachen und dabei doch kläglich scheitert. Wir hören den Gekko jede Nacht, gesehen haben wir ihn aber nie – bis heute. Heute, kurz nach der Dämmerung, singt er plötzlich direkt neben uns: Er sitzt auf der Rückseite einer Holzwand, ohne sich zu bewegen. Seine schwarzen großen Knopfaugen beobachten uns genau, als wir ihn betrachten. Sein Körper ist so lang wie ein Unterarm, hellgrau und orange gefleckt.
Als auf dem Fußboden ein Käfer landet und laut summt, läuft der Gekko lautlos die Wand herunter. Er pirscht sich an das kleine Tier an, wartet und schnappt dann zu. Es knackt ein wenig, als sein Gebiss den schwarzen Panzer des Insekts aufbricht.

Süßse Suppe

Unsere Arbeit im Kinderdorf macht einen großen Spaß. Die Kinder sind alle sehr warmherzig und freuen sich immer, wenn wir kommen: “Heelloooooo”, rufen sie laut und winken uns zu, wenn wir am Morgen mit dem Moped ankommen. Es ist sehr bereichernd, zu sehen, wie motiviert die Kinder am Englischunterricht teilnehmen. Sie fragen mich von sich aus nach einer weiteren Unterrichtsstunde und freuen sich über jede neue Vokabel, die sie lernen. Die neue Sprache ist für die Kinder eine große Herausforderung, schließlich kommt das lateinische Alphabet in ihrer Umgebung nur selten vor. Sie müssen sich jeden Buchstaben, jede einzelne Aussprache, jede Regel der Grammatik erkämpfen. Das führt oft zu unerwarteten Situationen und ist manchmal auch kräftezehrend: Wenn sie “you” schreiben, obwohl ich nur ein “u” buchstabieren wollte und wenn sie “r” schreiben, obwohl ich das Wort “are” meinte. 

Heute blickt ein Junge verwundert in sein Buch und zeigt mit gerunzelter Stirn auf die Schüssel mit Müsli, die im Buch abgebildet ist. Was das sei, fragt er mich. “Cereal”, sage ich. “Cereal?”, fragt er. Kenne er nicht. Wir nehmen aktuell das Thema “Food” durch und einige Vokabeln aus dem Englischbuch sind für Kambodschaner vollkommen unverständlich. Müsli gibt es hier nur im teuren, westlichen Mini-Marekt für unzählige Dollar. Die meisten Einwohner werden diesen Laden wahrscheinlich nie in ihrem Leben betreten. Der Junge hat schließlich eine andere Idee. Er betitelt das Bild pragmatisch mit “soup”. Irgendwie hat er ja auch Recht: Es ist eben eine süße Suppe.

Müll: Abfuhr

Heute haben wir mit den Kindern das Kinderdorf aufgeräumt. Die Jungen und Mädchen gehen zwar bewusst mit ihrem Abfall um und werfen ihn meist vorbildlich in den Mülleimer, aber in den letzten Monaten hat sich trotzdem das ein oder andere Stück Plastik auf dem Grundstück verteilt. Der Plastikmüll ist in Kambodscha ein allgegenwärtiges Thema. Alles wird in Plastik verpackt, jeder Einkauf in Plastiktüten nach Hause gebracht. Durch den Wind verteilen sich diese Verpackungsreste und so findet man ihn überall: Neben den Straßen, in den Flüssen, vor den Häusern.

Das Kinderdorf ist im Vergleich dazu eine kleine grüne Oase und heute ist sie noch ein Stück lebenswerter geworden: Am Morgen setzen wir uns mit den Kindern an den Tisch und sprechen über unseren Planeten: Die Ozeane, die Kontinente und die Natur, die es zu schützen gilt. Die Kinder schauen fasziniert auf einige Fotos die wir mitgebracht haben. Sie zeigen den Regenwald, Reisfelder und die kambodschanische Küste. Als ich daraufhin ein paar Verpackungsreste auf den Tisch lege, die ich im Kinderdorf gefunden habe, müssen sie lachen: So wollten sie nicht mit ihrer Umwelt umgehen, sagen sie.

In den nächsten Stunden laufen wir in Gruppen mit Müllbeuteln über das Grundstück und sammeln das Plastik ein. Alle sind zufrieden, als sie sich später umschauen: Die Arbeit hat sich gelohnt!

Auch im Alltag versuche ich bewusst mit dem Thema umzugehen. Statt den Einmaltrinkbechern auf dem Markt, bringe ich eine wiederverwendbare Alternative mit, eine Plastikdose und ein Jutebeutel sind nützlich beim Einkauf.

Später arbeite ich im Garten vor unserem Haus weiter. Mittlerweile ist ein Teil der Beete umgegraben und ich habe eine Reihe “Pak Choi” gepflanzt. Ob ich am Ende auch eine Reihe „Pak Choi“ ernten werde, ist fraglich. Spaß macht es trotzdem!

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