Das Land Kambodscha

Kambodscha liegt auf der südostasiatischen Halbinsel. Das Land, das flächenmäßig etwa halb so groß ist wie die Bundesrepublik Deutschland, wird von Thailand, Laos und Vietnam umschlossen und grenzt im Süden an den Golf von Thailand. Die Einwohnerzahl beträgt 15,1 Millionen Menschen, von denen etwa 2,5 Millionen in der Hauptstadt Phnom Penh leben. Vom Norden bis in den Süden wird Kambodscha vom Mekong durchflossen, dem größten Fluss Südostasiens.

Das Klima, das ganzjährig hohe Temperaturen mit sich bringt, ist von Monsunen bestimmt. Diese sorgen in den Wintermonaten für Trockenheit und in den Sommermonaten für extreme Regenfälle. Der ständige Wechsel zwischen Trocken- und Regenzeit beeinflusst das ganze Leben in Kambodscha. Der Regen taucht das Land in sattes Grün und sorgt für großflächige Überschwemmungen, die das Land fruchtbar machen, während die Trockenzeit die Erde zunehmend staubig macht.

Der Großteil der Einwohner von Kambodscha zählt zur ethnischen Gruppe der Khmer. Die Kultur der Khmer hat eine lange Geschichte. Ihr Höhepunkt markierte die Zeit des Angkor Reiches (um 1200 n. Chr.), dessen Hauptstadt Angkor in der Nähe des heutigen Siem Reap lag. Noch heute spürt man den Einfluss dieser Hochkultur: In alten Riten und Traditionen, Kunst, Musik, Architektur und in der Ausübung des Buddhismus, der bis heute Staatsreligion ist.

Einen bedeutenden Umbruch erlebte Kambodscha in den 70er Jahren des letzten Jahrhunderts. Unter Pol Pot, dem Anführer der Roten Khmer, wurde einfach alles zerstört, was das Land zuvor definiert hatte: Sozial-, Bildungs- und Wirtschaftssystem und Religion. Einem in seiner Grausamkeit kaum vergleichbaren Völkermord fielen 2 Millionen Menschen zum Opfer, zu denen fast alle Intellektuellen des Landes zählten. Familien wurden auseinandergerissen, aus den Städten vertrieben und in Arbeitscamps gesammelt. Hinterlassen wurde eine traumatisierte Generation, die sich selbst und ihr Land nach dem Ende des Regimes 1979 in Trümmern wiederfand.

Auch während der darauf folgenden Jahre der Vietnamesischen Besatzung wurde das Leben der Menschen von Bürgerkriegen und Hungersnöten bestimmt. Seit dem Abzug der Vietnamesen 1989 erholt sich das Land nur langsam. Als 1993 ausländische Hilfe in Form der UNO-Mission UNTAC ins Land kam, begann der Wiederaufbau, der sich bis in die Gegenwart fortsetzt.

Bis heute arbeiten 80% der Bevölkerung in der Landwirtschaft. Andere nennenswerte Wirtschaftszweige sind die Textilindustrie, die den Großteil der Exportware liefert, und der in den letzten Jahren immer weiter aufblühende Tourismus. Auch die Entwicklungshilfe aus dem Ausland bildet einen nicht unerheblichen prozentualen Anteil des Bruttoinlandsproduktes. Die extreme Abhängigkeit von ausländischen Investoren, aber auch die allgegenwärtige Korruption, die sich über alle politischen Ebenen erstreckt, haben sich zu massiven Problemen entwickelt, die die Entwicklung des Landes hemmen.

Thalaborivat

Unser Einsatzort ist Thalaborivat in der nordkambodschanischen Provinz Stung Treng. Die Kommune gehört zum gleichnamigen Bezirk Thalaborivat und ist mittlerweile von der Provinzhauptstadt Stung Treng durch eine 20-minütige Fahrt über die Mekongbrücke zu erreichen. Der Lebensstandard dort ist niedrig im Vergleich zu anderen Bezirken der Provinz. Fast die Hälfte der Menschen lebt unter der Armutsgrenze, wobei fast 100% der Familien in der Landwirtschaft tätig sind. Auch das Bildungssystem in Thala weist große Lücken auf. Die Analphabetenrate in Thala liegt bei etwa 35% und fast ein Viertel der Kinder geht nicht in die Schule. Viele von ihnen müssen ihren Eltern bei der Feldarbeit helfen, um die Familie zu ernähren.

Unser Ziel ist es langfristig weiter an diesen Punkten anzusetzen und die Lebensumstände der Familien zu verbessern.